Einführung
Wer schon einmal eine maßgefertigte Schutzhülle bestellt hat, kennt wahrscheinlich die Angabe „EVA-Material“ im Datenblatt des Anbieters. Aber: Diese Beschreibung allein sagt noch nicht viel aus.
In den meisten professionellen Anwendungen bildet EVA nicht die Außenhülle des Koffers, sondern den Schaumkern – die tragende Schicht zwischen einem Außenstoff und einem Innenfutter. Die Außenschicht besteht üblicherweise aus Oxford-Gewebe, PU-Leder, Nylon oder einem anderen laminierten Textil. Das EVA befindet sich in der Mitte und sorgt für Stabilität und Stoßdämpfung.
Dieser Leitfaden befasst sich mit einer der wichtigsten Entscheidungen, die Sie bei der Gestaltung eines individuellen Gehäuses treffen müssen: der Wahl der richtigen EVA-Schaumkerndichte.
Wenn Sie etwas falsch machen, ist Ihr Gehäuse möglicherweise zu instabil, um das Produkt im Inneren ausreichend zu schützen. Oder es ist überkonstruiert, was die Kosten in die Höhe treibt, ohne die Leistung zu verbessern. Gelingt Ihnen die Konstruktion hingegen, erhalten Sie ein Gehäuse, das Schutz bietet, kostengünstig ist und sich in Serie fertigen lässt.
Wichtiger Hinweis: Dieser Leitfaden konzentriert sich auf halbstarre Schutzhüllen mit einem Kern aus EVA-Schaumstoff und einer äußeren Stoffschicht. Er behandelt keine Hüllen mit vollständiger EVA-Außenschale oder Hartplastikhüllen. 
Dichte vs. Härte verstehen
Bevor wir uns mit der Auswahl der Dichte befassen, wollen wir einen häufigen Irrtum ausräumen: Dichte und Härte sind nicht dasselbe.
Die Dichte gibt an, wie viel Material im Schaumstoff enthalten ist. Sie wird in Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m³) gemessen. Man kann sie sich als das „Gewicht“ der Schaumstoffstruktur vorstellen.
Die Härte beschreibt, wie stark sich ein Schaumstoff dem Eindrücken widersetzt. Sie wird üblicherweise auf der Shore-C- oder Asker-C-Skala gemessen. Man kann sie sich als das „Gefühl“ des Schaumstoffs vorstellen.
Man kann einen hochdichten Schaum erhalten, der sich dennoch relativ weich anfühlt, oder einen weniger dichten Schaum, der sich fest anfühlt. Das hängt alles von der Rezeptur, dem Schäumprozess und den Aushärtungsbedingungen ab.
Wenn Sie einen Fall erstellen, sollten Sie beide Werte angeben. Zum Beispiel:
„Wir benötigen einen EVA-Schaumkern mit einem Volumen von 70 kg/m³ und einer Shore-C-Härte von 65.“
Dadurch erhält der Hersteller ein klares Ziel und kann die Konsistenz bei Mustern und Produktionsläufen sicherstellen.
Dichte an das Gewicht Ihres Produkts anpassen
Die Hauptaufgabe einer Schutzhülle besteht darin, Stöße abzufedern. Wenn die Hülle herunterfällt, wird der EVA-Schaumkern komprimiert und verteilt die Kraft, bevor sie das Gerät im Inneren erreicht.
Entscheidend ist, die Schaumstoffdichte an das Gewicht des zu schützenden Produkts anzupassen.
Wenn Sie einen schweren Gegenstand – wie ein Elektrowerkzeug oder ein medizinisches Gerät – in einen Koffer mit geringer Schaumstoffdichte legen, kann der Schaumstoff beim Aufprall vollständig zusammengedrückt werden. Dies wird als „Durchschlagen“ bezeichnet. Sobald dies geschieht, kann der Schaumstoff keine weiteren Stöße mehr abfangen, und die Kraft wird direkt auf Ihr Produkt übertragen.
Verwendet man hingegen einen sehr dichten Schaumstoff für einen leichten Gegenstand wie Ohrhörer oder ein kleines Zubehörteil, könnte sich das Etui zu starr anfühlen. Das Produkt könnte darin herumrutschen, anstatt sanft gepolstert zu sein.
Praktische Empfehlungen
Hier ein Ausgangspunkt basierend auf dem Nutzlastgewicht:
Leichte Produkte (unter 2 Pfund):
35–45 kg/m³
Ideal für kompaktes Zubehör. Bietet weiche Polsterung und sorgt für ein geringes Gewicht der Tasche.
Mittelschwere Produkte (2–8 lbs):
60–75 kg/m³
Das ist der optimale Wert für die meisten maßgefertigten Schutzhüllen. Er bietet die perfekte Balance zwischen Stabilität und Stoßdämpfung.
Schwerlastprodukte (über 8 Pfund):
80 kg/m³ und mehr
Ideal für Werkzeuge, medizinische Geräte und Industrieanlagen. Verhindert das Durchschlagen und verbessert die Druckfestigkeit.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, wo Ihr Produkt einzuordnen ist, beginnen Sie mit einem Prototyp mittlerer Dichte und validieren Sie ihn durch Falltests.
Wie sich die Dichte auf die Fertigung auswirkt
Die Dichte beeinflusst nicht nur den Schutz, sondern auch, wie einfach das Gehäuse herzustellen ist.
Die meisten maßgefertigten Hüllen werden im Thermoformverfahren hergestellt. Die EVA-Schaumstoffplatte (bereits mit dem Außenstoff laminiert) wird erhitzt und in eine Aluminiumform gepresst. Beim Ausdehnen des Materials in die Formkavität verändert die Schaumstruktur unter Druck ihre Form.
Je höher die Dichte, desto weniger dehnt sich der Schaumstoff. Dies wird zum Problem, wenn Ihre Gehäusekonstruktion Folgendes beinhaltet:
- Tiefe Hohlräume
- Scharfe Ecken
- Komplexe Kurven
- Dünnwandübergänge
Ist die Dichte für die Geometrie zu hoch, kann das Material an den Ecken reißen, sich ungleichmäßig ausdünnen oder sich nicht richtig an die Form anpassen.
Bei Gehäusen mit komplexen Formen ist EVA mittlerer Dichte im Bereich von 65–70 kg/m³ oft die praktischste Wahl. Es bietet ausreichend Steifigkeit für den Schutz und gleichzeitig die für eine stabile Formgebung notwendige Flexibilität.
Aus diesem Grund sollte die Auswahl der Dichte immer zusammen mit der Werkzeugkonstruktion und der Formgeometrie besprochen werden.
Die Kostengleichung
Aus Beschaffungssicht hat die Dichte einen direkten Einfluss auf die Kosten.
EVA-Schaumstoff wird nach Gewicht verkauft. Ein Koffer aus 80 kg/m³ Schaumstoff benötigt mehr Rohmaterial als ein gleich großer Koffer aus 45 kg/m³ Schaumstoff. Das bedeutet höhere Materialkosten und in vielen Fällen auch höhere Produktionskosten.
Auch die Logistik ist betroffen. Hochdichte Gehäuse sind schwerer, was die Frachtkosten erhöht – insbesondere bei Großbestellungen.
Eine zu hohe Dichte ist einer der einfachsten Wege, die Sicherheitsmarge zu verringern, ohne die Leistung im praktischen Einsatz zu verbessern. Besser ist es, die minimale Dichte zu wählen, die Ihre Anforderungen an Falltest, Stapellast und Kompression erfüllt.
Anders ausgedrückt: Der Schaumstoff sollte nicht überdimensioniert sein. Er sollte dem tatsächlichen Risikoprofil des Produkts entsprechen.
Kurzübersicht: Industriestandarddichten
Hier ist ein praktischer Ausgangspunkt für verschiedene Produktkategorien:
Unterhaltungselektronik
Beispiele: Kopfhörer, Tastaturen, Controller, kleine Accessoires
Empfohlene Dichte: 45–60 kg/m³
Priorität: geringes Gewicht, einfache Tragbarkeit, schlichtes Design, angemessener Schutz
Medizinprodukte
Beispiele: Monitore, CPAP-Geräte, tragbare Diagnosegeräte
Empfohlene Dichte: 70–75 kg/m³
Priorität: Steifigkeit, Druckfestigkeit, Transportsicherheit, stabile Innenpassung
Drohnen und Kameraausrüstung
Beispiele: Drohnen, Kameras, Objektive, Mikrofone
Empfohlene Dichte: 65–70 kg/m³ für die Strukturschicht, kombiniert mit weicherem Innenschaum für die Einlage.
Priorität: Stoßdämpfung, Gerätestabilisierung, hochwertige Präsentation
Industrie- und Militärausrüstung
Beispiele: robuste Werkzeuge, Instrumente, Feldgeräte
Empfohlene Dichte: 80 kg/m³ und mehr
Priorität: maximale Druckfestigkeit, Stapelfestigkeit, Transportbeständigkeit
Diese Werte stellen einen nützlichen Ausgangspunkt dar, die endgültige Spezifikation sollte jedoch stets anhand des genauen Produktgewichts, der Geometrie und der erforderlichen Fallnorm überprüft werden.
Die vollständige Fallstruktur verstehen
Die meisten maßgefertigten Schutzhüllen bestehen nicht ausschließlich aus EVA. Die fertige Hülle ist ein Verbundmaterial mit mehreren Schichten.
So sieht eine typische halbstarre Schutzhülle aus:
Äußere Schicht:
Oxford-Gewebe, PU-Leder, Nylon, Polyester oder wasserabweisendes Laminat. Diese Schicht sorgt für Optik, Abriebfestigkeit und Witterungsschutz.
Mittlere Schicht:
EVA-Schaumkern. Dies ist die Strukturschicht, die für Steifigkeit und Stoßdämpfung sorgt.
Innere Schicht:
Weiches Futtermaterial wie angerauter Stoff, Samt oder Polyester schützt das Produkt vor Kratzern und verleiht ihm eine hochwertige Haptik.
Einfügen:
Stanzschaum, vorgeformte Schaumstoffkammer oder individuell gestaltete Fächeraufteilung. Dadurch wird das Produkt sicher an seinem Platz gehalten.
Diese mehrlagige Konstruktion ist wichtig, da jede Schicht eine andere Funktion erfüllt. Das Obermaterial beeinflusst Aussehen und Haltbarkeit. Der EVA-Kern sorgt für Struktur und Aufprallschutz. Das Innenfutter erhöht den Tragekomfort und die Verarbeitungsqualität.
Für Einkaufsteams bedeutet dies, dass Ihre Materialspezifikation stets zwischen Folgendem unterscheiden sollte:
- Oberstoffart
- EVA-Schaumkerndichte
- Härte des EVA-Schaumkerns
- Innenfuttermaterial
- Struktur einfügen
- Naht- und Reißverschlusskonstruktion
Eine vollständige Spezifikation beugt Missverständnissen vor und hilft dem Hersteller, ein genaues Angebot zu erstellen.
Wie Sie die EVA-Dichte in Ihrer Angebotsanfrage angeben
Wenn Sie eine Angebotsanfrage vorbereiten, sollte die Dichte niemals isoliert aufgeführt werden. Eine gute Angebotsanfrage sollte folgende Angaben enthalten:
- EVA-Schaumkerndichte (z. B. 65 kg/m³)
- EVA-Schaumkernhärte (z. B. 70 Shore C)
- Obermaterial (z. B. Oxford-Gewebe / PU / Nylon)
- Innenfuttermaterial (z. B. angerauter Stoff / Samt / Polyester)
- Gehäuseaufbau (halbstarres, thermogeformtes Gehäuse mit EVA-Schaumkern)
- Einsatzart (gestanzter Schaumstoff / Formeinsatz / kundenspezifische Fächer)
- Zielproduktgewicht
- Erforderliche Fallhöhe
- Kompressions- oder Stapelanforderung
- Anforderungen an die Wasserdichtigkeit
- Mustergenehmigungsstandard
Beispiel für die Formulierung einer Angebotsanfrage
„Wir benötigen eine maßgefertigte, halbstarre Schutzhülle mit einem EVA-Schaumkern (65 kg/m³ Dichte, 70 Shore C Härte). Die Außenschicht soll aus Oxford-Gewebe mit Laminierung bestehen, mit einem weichen Polyesterfutter und einem passgenauen, gestanzten Inneneinsatz für ein 1,6 kg schweres elektronisches Gerät. Die Hülle muss Falltests aus einem Meter Höhe bestehen.“
Dieser Detaillierungsgrad verbessert die Genauigkeit der Angebote und die Konsistenz der Stichproben erheblich.
Häufige Fehler bei der Auswahl der EVA-Dichte
Fehler 1: Auswahl der Dichte basierend auf dem Aussehen
Ein Gehäuse kann zwar hochwertig aussehen, aber dennoch keinen ausreichenden Aufprallschutz bieten, wenn die Dichte nicht stimmt.
Fehler 2: Verwendung der gleichen Dichte für jedes Produkt
Unterschiedliche Nutzlastgewichte erfordern unterschiedliche Unterstützungsniveaus.
Fehler 3: Ignorieren der Thermoformgrenzen
Eine sehr hohe Dichte kann bei tiefen oder komplexen Formen zu Produktionsproblemen führen.
Fehler 4: Vergessen der äußeren Stoffschicht
Besteht die Außenhülle aus Oxford-Gewebe oder PU, kann sich das gefühlte Tragegefühl der Hülle von der tatsächlichen Leistung des Schaumkerns unterscheiden.
Fehler 5: Nicht mit realen Nutzdaten testen
Schaumstoffproben sollten immer zusammen mit dem darin befindlichen Bauteil geprüft werden, nicht nur als eigenständige Probe.
Wie man überprüft, ob der Hersteller die richtige Dichte verwendet hat
Um die Dichte des EVA-Schaumkerns zu überprüfen, sollten Sie, wenn möglich, vor der vollständigen Formgebung eine Probe der Rohschaumplatte entnehmen. Verlassen Sie sich nicht allein auf den fertigen Eckbereich, da die Thermoformung die Schaumstruktur und -dicke verändern kann.
Hier ist die Methode:
- Schneiden Sie ein sauberes rechteckiges oder quadratisches Stück aus.
- Messen Sie die genauen Abmessungen
- Berechnen Sie das Volumen in Kubikmetern.
- Wiegen Sie die Probe in Kilogramm.
- Man teilt die Masse durch das Volumen, um die Dichte in kg/m³ zu erhalten.
Wenn Sie mit einem Hersteller zusammenarbeiten, fordern Sie vor der Freigabe der Massenbestellung Materialdokumentation, Musterfotos und Nachweise über die Konsistenz der Produktion an.
Abschließende Empfehlung
Die richtige EVA-Dichte ist nicht die höchste verfügbare Dichte. Es ist die Dichte, die am besten zu Ihrem Produktgewicht, den Anforderungen an die Fallfestigkeit, der Gehäusegeometrie und Ihrem Kostenziel passt.
Generell gilt:
- Leichte Konsumgüter: 35–45 kg/m³
- Mittelschwere Elektronik und Zubehör: 60–75 kg/m³
- Schwerlastprodukte für medizinische und industrielle Anwendungen: 80 kg/m³ und mehr
Im Zweifelsfall sollte man mit einem Prototyp mittlerer Dichte beginnen und diesen in Praxistests validieren. Die beste Schutzhülle bietet nicht nur Schutz, sondern ist so konstruiert, dass sie optimalen Schutz zu möglichst geringen Kosten bietet.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich in ein und demselben Gehäuse EVA-Dichten unterschiedlicher Dichte verwenden?
Ja. Das ist gängige Praxis im professionellen Gehäusebau. Wir empfehlen oft eine EVA-Schicht mit höherer Dichte für die thermogeformte Außenschale, um die Steifigkeit und Druckfestigkeit zu verbessern, kombiniert mit einer Schaumstoffeinlage mit geringerer Dichte, um empfindliche Geräte schonend zu schützen.
Wie kann ich überprüfen, ob der Hersteller die von mir angegebene Dichte verwendet hat?
Sie können die Dichte manuell messen. Schneiden Sie ein präzises quadratisches Stück aus der EVA-Rohplatte aus, messen Sie dessen Volumen, wiegen Sie es und berechnen Sie die Dichte, indem Sie die Masse durch das Volumen teilen. Für optimale Ergebnisse testen Sie den Schaumstoff vor dem Thermoformen, da Hitze und Dehnung die endgültige Form beeinflussen können.
Verändert das Außenmaterial die EVA-Dichte?
Nein. Das Laminieren von Oxford-Gewebe, PU oder Nylon auf der Außenseite verändert die Dichte des Kernschaums nicht. Es kann jedoch die wahrgenommene Steifigkeit und die Oberflächenbeschaffenheit des fertigen Gehäuses beeinflussen. Daher muss der Schaumkern separat spezifiziert und geprüft werden.
Welche Außenmaterialien werden üblicherweise für diese Gehäuse verwendet?
Gängige Außenmaterialien sind Oxford-Gewebe, PU-Leder, Nylon, Polyester und wasserabweisende Laminate. Der EVA-Schaum bildet die tragende Innenschicht.
Was muss ich dem Hersteller schicken, um ein genaues Angebot zu erhalten?
Sie sollten Produktabmessungen, Gewicht, Ziel-Fallteststandard, gewünschte Dichte, Härte, Art des Obermaterials, Layout der Einlage, Farbe, Logoanforderungen und die erwartete Bestellmenge angeben.
Sobald Dichte, Härte und Produktabmessungen festgelegt sind, verwenden Sie unsere Seite „EVA-Gehäuse anfordern“ , um die vollständige Spezifikation zur Überprüfung einzureichen.


